Bericht in der Zeitschrift Kampfkunst International, Ausgabe 10/03

Durch Teilen entsteht Wissen

In Dortmund, im Gold’s Gym von Mario Kronschwitz versammelten sich Kampfkunstexperten um Wissen und Trainingsmethoden zu teilen. Großmeister Horst Kallinowski, Sensei Simone Schloetels, Suro Jason Inay, Sensei Herve Wansi, Sempei Christian Mähringer und Sempei Sebastian Masannek nutzten diese Zeit um ihre Vorstellungen von Kampfkünsten zu vergleichen.

Nachdem man sich vorgestellt hatte und eine kurze Einführung stattfand, wurde auf die Art der Trainingsmethode des jeweils anderen eingegangen. Großmeister Horst Kallinowski machte den Anfang mit einer Demonstration und Anleitung, wie er den HK-Ryu Weg am intensivsten trainiert. Dabei betonte er die Wichtigkeit der Basisarbeit und der Trainingsmethoden, die Beide grundlegend dafür verantwortlich sind, dass Jeder seine Fähigkeiten, eine Technik mit Präzision, Geschwindigkeit und Kraft auszuführen, kontinuierlich steigern kann.

"Ein Fehler sei es, übermäßig den Bizepsmuskel zu trainieren," sagt Großmeister Kallinoswki, "da dieser Geschwindigkeit abnehmen lässt. Ratsamer ist es dagegen den Trizeps zu trainieren". Bei Kalinowskis Training kommt es zu Anfang darauf an, die Basistechniken sauber und schnell auszuführen. Schwerpunkt wird hier eindeutig auf Schlag- und Blocktechniken gelegt. So trainiert der Schüler zu Anfang gerade Fauststöße, Rückhandtechniken, Ellebogenschläge, Haken, sowie Blocktechniken und wird beim Perfektionieren der Techniken durch leichte Handgewichte unterstützt. Nach einigen Wiederholungen wird dann das Gewicht solange erhöht ,bis die zuvor trainierten Techniken dann an einer Gewichtsmaschine ausgeführt werden. Hier wird das Gewicht extra sehr hoch gewählt, so dass sechs Wiederholungen für jede Technik rechts und links ausreichend sind. Anschließend wird wieder zu leichteren Gewichten übergegangen. 50 Wiederholungen mit leichten Handgewichten, gefolgt von 30 bis 40 Wiederholungen mit entschieden schwereren Handgewichten runden den Anfang des Trainings ab. Ziel dieses harten "Aufwärmtrainings" ist es erstens, die Schlagkraft zu steigern und zweitens die Geschwindigkeit des Schlages zu erhöhen.

GM Kallinowski Konzept dieses Trainings bringt er selbst treffend auf den Punkt. "Wenn du deine Technik schnell ausführst und die größtmöglichste Kraft in deinen Schlag hineinlegst, hat dein Gegner keine Chance! Werden entspannte Atmung und entspannte Haltung in diese Ausführung integriert, können die Techniken nicht gestoppt werden."

Als Nächstes ging man dann dazu über verschiedene Techniken auszutauschen. Den von GM Kallinowski und Suro Inay vorgestellten Techniken, fügte Sensei Schloetels noch Feinheiten hinzu. Im Training kam es auch zu einem Gespräch über Etikette und Respekt. Beide Qualitäten sollten in keinem Training fehlen, da sie die Grundlage für Vertrauen zum Trainingspartner schaffen. Basiert eine Trainingseinheit auf dieser Grundlage, hat der Schüler die Möglichkeit, seine Techniken mit immer größer werdener Präzision auszuführen und dadurch seinen Weg zu Perfektion zu finden. Dazu zählt auch der gemäßigte Einsatz von Kraft, der ohne das Vertrauen zu seinem Trainingspartner nicht vorstellbar wäre.

"Doch nicht nur die Trainingsmethode beider Systeme scheint die gleiche zu sein", meint Sensei Wansi, "auch die überzeugung Beider Großmeister wie wichtig die Arbeit an der Basis ist, habe ich festgestellt." GM Kallinoswki und Suro Inay legen auf diesen Punkt großen Wert. Beide sind der Meinung, dass der Kämpfer der ein soliden, festen Zugriff zur Basis seines Styles hat, nicht nur in der Lage ist, fortgeschrittene Techniken zu erlernen, sondern sie auch in der Realität umsetzten kann. HK Ryu und das Inayan System of Eskrima konzentrieren sich daher auf die Kunst und die Umsetzung in die Realität. Das Inayan System of Eskrima versteht sich selbst als ein System, dass Kriegskunst unterrichtet. Kallinowski, Schloetels, Inay, Mähringer und Masannek trainierten an diesem Tag die wichtigsten Teile der Kampfkunst, der Basics, sowie Budogeist und Anwendung in der Realität.

Viele der unterrichteten Kampkünste und Systeme trainieren eine exponentiale Anzahl von Techniken. Das Problem das sich daraus ergibt, ist, dass der Schüler nicht die Chance erhält, die ihm erlernten Techniken in "Echtzeit" umzusetzen. Als Ergebnis ist man zum Teil Meister in einem System, beherrscht die vielseitigsten Techniken, bekommt aber Probleme im Ernstfall.

Daher richtet das Inayan System of Eskrima und das HK Ryu System ganz besondere Aufmerksamkeit auf das stetige trainieren und verbessern der Basis sowie dem Aufbau der Attribute: Timing, Geschwindigkeit, Kraft, Fluss und eine perfekte Technik. Um einen Kampfkunstschüler in die Lage zu versetzten, dass er die verschiedensten Techniken seines Systems verwenden kann, muss ihn jemand dazu bringen die Techniken immer und immer wieder zu trainieren. Allein an dem Gelernten immer wieder zu arbeiten ist eine hohe Anforderung die an den Schüler gestellt wird. Das Einsehen, dass man solange seine Technik wiederholen muss, bis sie Perfektion erreicht hat, Disziplin und der Wille im Training, sind notwendig um eine fortgeschrittene Ausführungen von Techniken zu ermöglichen. Mit Entschlossenheit, dem Ziel und den Wiederholungen kann ein Band zwischen Verstand und Körper geknüpft werden, welches dem Kampfkünstler die Fähigkeit verleiht, seine Techniken so schnell und kraftvoll auszuführen, dass man seinen Gegner verteidigungslos macht, bevor er sich überhaupt auf den Kampf einstellen kann. Diese Trainingsmethode erschafft nicht nur einen physikalisch sehr starken, sondern auch einen individuellen, mit großer mentaler Kraft versehenen, Kämpfer.

Auch Drills sollten daher nicht lediglich trainiert werden, um den Drill zu trainieren, sowie es auch nicht ratsam ist, sich auf gutaussehende, komplizierte Techniken zu fixieren. Was zählt ist die Basistechniken nicht zu vernachlässigen und deren auf Realität basierende Umsetzung. Drills und Techniken sind nicht gleich Kampf; jede noch so kleine Trainingseinheit sollte sich daher auf die Umsetzung in die Realität beschäftigen, wobei an den Konzepten, den Prinzipien und der Philosophie des jeweiligen Systems festgehalten werden soll. Drilling skills und Techniken, seien sie offensiver oder defensiver Natur, besitzen kein Ende in sich selbst, sind jedoch der Startpunkt für die Entwicklung eines zufriedenen und kompetenten Kämpfers.

In Kampfkünsten gibt es Schlagtechniken, Hebel- und Wurftechniken und Würgetechniken. Der Erste Zugriff auf einen Gegner sollte für Jedermann jedoch gleich sein: schnell und mit größtmöglicher Kraft. Alle anderen Möglichkeiten sollten nicht nur zweitrangig seien, sondern stattdessen sogar drittrangig behandelt werden. Ob nun mit einem Stock, einem Schwert oder der Faust, man sollte sich immer darauf konzentrieren den Gegner mit einer solchen Härte und Entschlossenheit zu begegnen, dass er, der Unterlegene ist.

Musashi ist oft mit seinem Sprichwort zitiert worden: "Trainiere als würde dein Leben davon abhängen!" Die oben beschriebene Trainingsmethode bereitet darauf vor, den über die Zeit getesteten Weg des Kriegers zu erlernen.

Jede Schlacht, jeder Konflikt, jeder Kampf kann auf ein Minimum reduziert werden, wenn man in der Lage ist, die Distanz und die Zeit zu kontrollieren. Mit guter Fußarbeit und entspannter Atmung kann der Ausgang eines Kampfes entschieden werden. Das Streben nach einer Fähigkeit in einem System, die es erlaubt mühelos zu zuschlagen und auch mühelos zu verteidigen, da man glaubt der Gegner würde sich langsam oder gar nicht bewegen, ist das höchste Ziel einer jeden Kriegskunst. Um dies zu schaffen, muss man entschlossen sein, den Feind zu besiegen. Gedanken an eine Niederlage dürfen nicht aufkommen. Entziehe deinem Gegner die Möglichkeit für einen Gegenangriff und hindere ihn an eine Flucht. Eine Attacke bedeutet, dass man siegt. Eine Verteidigung bedeutet das man knapp überlebt.

Training mit dem Schwerpunkt auf Timing, Technik, Fluss, Geschwindigkeit und Kraft erlauben es entspannt und wachsam in Gefahrensituationen zu sein. Eine beliebte Maxime der Kampfkünste besagt daher auch: "Maximale Effizienz und minimaler Kraftaufwand erzeugen mühelose Kraft."

Für nähere Informationen über HK-Ryu, Kontakt: GM Horst Kallinowski unter Tel.: 0231-772006, Reichenberger Str. 35, 44225 Dortmund, Germany
Für nähere Informationen über Inayan System of Eskrima, Kontakt: Suro Jason D. Inay www.inayan-eskrima.biz

Bericht in der Zeitschrift Kampfkunst International, Ausgabe 10/03