Lehrgangsbericht - 6. Stiloffenes Seminar - Inayan System of Eskrima

Suro Jason Inay in Aachen im Mai 2005
Jubiläumslehrgang - 5 Jahre Inayan System of Eskrima in Aachen
Autor: Carsten Grundmann

Kurz zusammengefasst: Es hat sich richtig gelohnt!

Auch dieses Mal wurde weniger Wert auf Quantität (Anzahl "neuer" Techniken) gelegt. Dafür aber auf die Qualität der einzelnen Übungen. Auch recht einfach erscheinende Drills wurden meist über einen längeren Zeitraum trainiert. Somit wurde sichergestellt das auch wirklich jeder Anfänger die Übung machen konnte. Die Fortgeschrittenen profitierten im selben Zeitraum von zusätzlichen Informationen, welche die Feinheiten der Übung erläuterten und für so manches Aha-Erlebnis sorgten.

Auf diese Weise wurden die Übungen vom Kleinen zum Großen hin aufgezogen. Drills wurden in ihrer Grundform geübt, danach erweitert um dann durch so genannte Drillbreaks zu einem Abschluß zu führen. Dieses Schema zog sich durch den gesamten Lehrgang hindurch und durch sämtliche trainierten Stile. Das gab vor allem auch Übungsleitern mit eigenen Gruppen die Möglichkeit zu sehen, wie eine Progression im Training aussehen könnte und welche Möglichkeiten der Erweiterung es überhaupt gibt. Die Kreativität des Übungsleiters ist somit nur noch der einzig limitierende Faktor für ein interessantes, abwechslungsreiches Training. Das Grundgerüst für den Trainingsaufbau wurde sehr deutlich an die Hand gegeben.

Was mich auch direkt zum nächsten Punkt kommen läßt, nämlich der Theorie.
Suro Jason Inay verstand es sehr gut, das natürlich überwiegend praktisch gehaltene Seminar mit theoretischen Teilen aufzulockern, um dadurch aber auch gleichzeitig das Gezeigte zu vertiefen.

Alles hatte seinen Platz:

Ist auf den ersten Blick vielleicht etwas abschreckend (man will sich ja schließlich auf der Matte austoben) war aber sehr interessant und für alle die sich ernsthafter mit den philippinischen Kampfkünsten beschäftigen sicherlich eine wertvolle Bereicherung die ich leider sonst noch auf keinem anderen Seminar gesehen habe. Außerdem waren die meisten sowieso froh darüber gelegentlich eine kleine Pause zu bekommen, da die Übungen, je nach eigenem Gusto, schon recht anstrengend sein konnten.

Als kleine Überraschung anlässlich des 5-jährigen Jubiläums wurde von der Inayan Gruppe eine Tanzformation eingeladen, die sich auf philippinische Volkstänze spezialisiert hat. Diese zeigte mehrere Tänze, unter anderem Kandalena und Tinikling, was wunderbar in den Kontext des Seminars passte.

Abschließend noch eine kleine Auflistung über die trainierten Stile und ein paar Worte dazu. Kurz und Stichwortartig, weil eine reichhaltige Technikbeschreibung an dieser Stelle eh nichts bringen würde.

Kadena de Mano:
Sowohl waffenlos, wie auch der Bereich Messer-Messer. Wie oben beschrieben wurde jeweils ein Drill aufgebaut und mit verschiedenen Drillsbreaks ausgestattet (Hebel, Takedowns, Entwaffnungen), um die Techniken aus einem dynamischen Kontext heraus üben zu können.

Serrada:
Ein sogenannter Boxdrill wurde geübt um auf die ersten 4 Angriffswinkel eine passende Abwehr zu üben und diese dann im Fluss zu verbinden. Ansonsten wurden auch hier Drillbreaks an verschiedenen Stellen der Übung eingebaut.

Largo Mano:
Angriffswinkel, 4 Griffarten und verschiedene mögliche Beinarbeiten dazu (Elastiko, Fraille...). Das alles wurde dann wieder zu einer Abfolge zusammengebaut und endete mit einer Abschlusstechnik.

Sinawali:
Kam leider nur am Schluss und viel zu kurz dran. Irgendwann ist halt auch mal die Zeit um. Schade, aber ansonsten hätte man andere Bereiche beschneiden müssen. Das wäre genauso schade gewesen.

Im Gegensatz zum sonst üblichen Lernen von neuen Schlagmustern wird im Inayan System of Eskrima darauf wertgelegt das man immer die Anwendung im Auge behält. Und genau das wurde durch das Polarisieren von Sinawalis geübt. Ein erster, kleiner Schritt hin zum Kampf mit zwei Stöcken. Dem eigentlichen Ziel vom Sinawali Bereich. Ich bin froh das dies im Inayan Eskrima so offen gelehrt wird und eigentlich bisher immer ein Bestandteil der Lehrgänge war. Mal mehr, diesmal etwas weniger.

Fazit:
Ein sehr runder und ausgewogener Lehrgang mit viel Input und einer sehr angenehmen Trainingsatmosphäre. Geeignet sowohl für Anfänger wie auch für Fortgeschrittene. Interessant sicherlich für alle die sich mit den philippinischen Kampfkünsten beschäftigen, egal welcher Stilrichtung. Aber auch für artfremde, die im Bereich Waffenabwehr trainieren.

Ich bin restlos begeistert und freue mich schon auf das nächste Mal wenn Suro Jason Inay wiederkommt und einen Lehrgang über das Inayan System of Eskrima gibt.

© Carsten Grundmann